Buchgedanken

I read :Das Haus der Frauen

Ich war am Montag in der Bibliothek. Ich versuche das zu einer Gewohnheit zu machen, da ich mich jedes Mal wenn ich durch verschiedene Regale stöbere mich lebendig und unglaublich inspiriert fühle.

Also war ich in der Bibliothek. Es war Vormittag und ich sah und hörte keine anderen Menschen. Wie jeden Montag waren auch die verschiedenen Tresen oder Servicepunkte nicht besetzt. Die Tür war verriegelt, aber man konnte sich mit seiner Büchereikarte Einlass verschaffen. Ich war allein zwischen Büchern mit der Möglichkeit sie alle mit nach Hause zu nehmen.

Ich lief zwischen den Regalen hin und her. Ich nahm Bücher aus dem Regal, laß den Klappentext und manche wanderten in den Korb den ich mir am Eingang genommen hatte.

Darunter war auch: Das Haus der Frauen von Laetitia Colombani. Unter den hunderten Büchern ist es mir direkt in die Augen gestochen. Der Einband hat eine undefinierte Farbe die ich am besten als hellrot mit dem kleinsten Hauch von Rosa beschreiben kann. Ich habe Bilder von dem Cover Online gesehen, doch auf meinem Bildschrim wirkt es blass und farblos im Gegensatz zu dem Buch das neben mir liegt. Goldene Akzete umrahmen und goldene Blumen umrahmen den schwarz goldenen Schrifzug. Kurzum das Cover ist wunderschön.

Die kräftige Farbe und die hübsche Gestaltung haben mich dazu gebracht es in die Hand zu nehmen. Es mir anzusehen und den Klappentext durchzulesen. Diesen möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten:

In Paris steht ein Haus, das allen Frauen dieser Welt Zuflucht bietet. Auch der erfolgreichen Anwältin Solène, die nach einem Zusammenbruch ihr Leben in Frage stellt. Im »Haus der Frauen« schreibt sie nun im Auftrag der Bewohnerinnen Briefe – an die Ausländerbehörde, den zurückgelassenen Sohn in Guinea, den Geliebten – und erfährt das Glück des Zusammenhalts und die Magie dieses Hauses. Doch wer war die mutige Frau, die vor hundert Jahren allen Widerständen zum Trotz diesen Schutzort schuf? Solène beschließt, die Geschichte der Begründerin Blanche Peyron aufzuschreiben.
Ein ergreifender Roman über mutige Frauen und ein Plädoyer für mehr Solidarität.

Als ich den Text gelesen habe, dachte ich mich erwarte die Geschichte von einer Anwältin in einer Lebenskriese. Ich dachte, dass sich das Buch um Solène dreht. Ich lag falsch. Natürlich ist es irgendwo die Geschichte der jungen Anwältin, aber diese fühlt sich nur an wie ein Rahmen, durch den wir auf das wirklich wichtige schauen können: Die Frauen die durch ihre Umstände in Not geraten sind. Es sind harte Schicksaale die erzählt werden. Es geht um die eigenen Hilflosigkeit, aber auch darum wie eine einzelne Person wenigstens ein paar Schicksaale ändern kann.

Jetzt wo ich das Buch zu Ende gelesen habe, fühle ich mich mit diesen Frauen verbunden. So als hätte ich mich mit ihnen hingesetzt und für eine lange Zeit geredet. Ich weiß nicht ob diese Frauen existieren, aber ich weiß, dass es viele Frauen wie sie da draußen gibt. Auch das Frauenhaus existiert und war das erste seiner Art in Paris. Welche Kraftanstrenungen es gekostet hat es zu erschaffen wird auch im zweiten Handlungsstrang erzählt.

Das Buch hat mich mit einer tiefen Betroffenheit zurück gelassen, mit der ich noch nicht wirklich weiß wie ich damit umgehen soll. Ich fühle mich klein im Hinblick auf die Armut und dem Leid das in der Welt herrscht. Ich habe es nicht in mir mein ganzes Leben für die Hilfe von anderen zu geben, aber nichts zu tun scheint mir gerade auch falsch. Wegsehen hat noch nie etwas bewegt.

Ich hoffe dass ich dieses Gefühl bei mir behalten kann, bis ich konkret verstehe was ich tun kann. Das es nicht einfach davonweht und ich mit meinem extrem priviligierten Leben weiter mache, als wäre alles gut. Gerade muss ich noch mich selbst retten, mir selbst eine Basis aufbauen und dann hoffe ich, dass ich irgendwann in der Lage bin etwas zu bewegen. Zumindest ein paar Leben besser zu machen.

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