Schreibabendteuer

Warum ich schreibe

Ich habe mir schon immer gerne Geschichten ausgedacht. Es war für mich meine zweite Natur und ich habe das auch liebend gerne mit meinen Freundinnen getan. Auch war das ein wichtiger Coping-Mechanismus für mich. Immer wenn ich das Ende eines Buches nicht mochte, oder ich von irgendwelchen belastenden Dingen erfahren habe, habe ich mir einfach einen alternativen Erzählstrang ausgedacht. Das habe ich vermutlich von meiner Schwester, die mir häufig Gute Nacht Geschichten erzählte, mir aber nie das Ende verriet. Der letzte Satz war immer: “Den Rest siehst du in deinen Träumen”.

Rückblickend betrachtet gab es verschiedene Phasen, die meine Spielgeschichten durchliefen. Ich erinnere mich an eine Phase wo meine Geschichten immer davon handelten, dass ich (und wahlweise meine Freundinnen) Piratinnen waren und auf den sieben Weltmeeren Abendteuer erlebten. Wir waren dabei die guten Piraten, die weder stahlen noch Schiffe karperten und die jenseits des Gesetztes Jagdt auf die bösen Piraten machten. Dann gab es noch eine fantasy Phase, eine elfen Phase und ich denke noch mehr, an die ich mich nicht erinnern kann. Ich erinnere mich jedoch noch zu gut daran, wie ich auf dem Schulweg nach Hause immerzu Dialoge von meinen selbst erdachten Geschichten vor mich hin sprach und nur aufhörte, wenn jemand anderes in meine Nähe kam.

Irgendwann wurde ich dann zu alt um Dialoge aufzusagen ohne, dass ich komisch angeschaut wurde. Doch die Geschichten blieben. Jetzt allerdings eingesperrt in meinem Kopf. Sie waren immer dabei. Wenn ich auf einer Autofahrt aus dem Fenster starrte und als ich älter wurde bei jeder Bahnfahrt und in jeder langweiligen Unterrichtsstunde.

Zu diesem Zeitpunkt war ich nicht im Traum darauf gekommen diese Worte aufzuschreiben. Die Geschichten waren immer da, wie ein Teil von mir. Ich bedachte sie mit größter Aufmerksamkeit, jedoch ohne Ambitionen. Die Geschichten kamen und sie gingen auch wieder. Wurden durch neue ersetzt. Lange hielten sich die Geschichten nicht in meinem Kopf auf, dafür gab es zu viele von ihnen.

Alles änderte sich an einem Tag, als ich bei meiner Freundin Anna zu besuch war. Anna war in meinen Augen sehr frei, wild und total cool. Sie war eine Person, die keine Angst davor hatte etwas auszuprobieren und mit volldampf gegen eine Wand zu laufen. Sie klopfte sich einfach den Dreck von ihrer Kleidung und wandte sich der nächsten Sache zu – eine Sache die ich nach wie vor bewundere.

Anna hatte einen alten und langsamen Computer in ihrem Zimmer stehen und eines Tages erzählte sie mir, dass sie eine Geschichte schreibe. Ohne bestimmten Grund und nur für sich. Diese Sache schlug in mich ein wie ein Blitz. Sofort fing ich an ihr von den Geschichten zu erzählen, die schon seit Ewigkeiten in meinem Kopf herumschwirrten. Ich war nicht zu bremsen. Anna hörte mir eine Weile zu, dann schob sie mich Wort wörtlich zu ihrem Rechner und sagte: “Schreib das doch mal auf”. Und das tat ich. Die nächsten Tage tippte ich wie eine Besessene. Ich hatte Zuhause einen Laptop und er war noch nie so viel benutzt worden wie an diesen Tagen. Ich schrieb meine ersten Kapitel. Sie waren um ehrlich zu sein nicht besonders gut, aber sie sprühten so vor Energie und Kreativität.

Die Worte wurden meine Zuflucht. Ich habe es noch nicht geschafft etwas zu Ende zu bringen. Immer wieder kam der innere Kritiker durch, der mir sagt, dass es Müll ist was ich schreibe und bringt mich dazu neu anzufangen. Immer und Immer wieder, sodass sich in meinem Kopf der Glaubenssatz festgesetzt hat: “Ich bringe nie etwas zu Ende” Das stimmt zwar so nicht ganz – ich habe schon einiges zu Ende gebracht, aber halt noch kein Buch geschrieben. Warum waren die Wattpad schreiber, die viel schlechtere Texte als ich produzierten in der Lage einfach weiter zu machen?

Ich möchte diesen Teufelskreis durchbrechen indem ich ein Buch schreibe. Uff. Das ist ein riesiges Unterfangen, dem ich mich nicht wirklich gewachsen fühle. Wie soll ich es schaffen so viel zu Schreiben? Wie soll ich meinen inneren Kritiker zum schweigen bringen? Kann ich das neben dem Studium überhaupt stemmen? Lade ich mir nicht zuviel auf? Was soll ich tun, wenn der Druck so groß wird, dass die Bilder in meinem Kopf verschwinden?

Auf der anderen Seite habe ich das Gefühl es mir zu schulden ein Buch zu schreiben. Um mir zu beweisen: Ja ich schaffe das. Ja ich kann das.

Ich habe mir einen Rahmen gestetzt: YSA 24. Was ist das? Das ist ein Schreibwettbewerb von Story.one. Das ist eine Seite auf der man eigene Bücher veröffentlichen kann und die schließlich auch gedruckt und veröffentlich werden. Werbung wird für das eigene Buch keine gemacht. Und die Bücher sind dafür, dass sie so kurz sind echt teuer. Beim YSA gibt es wenigstens für den Autor ein kostenloses Exemplar und das reicht mir für jetzt. Ich möchte einen Beweis haben dass ich es schaffe und ich möchte eine Geschichte zu Ende erzählen und nicht dann aufhören, sobald ich die ersten Plotholes bemerke.

10.000 Wörter sind nicht viel um eine Geschichte zu erzählen und ungefähr so viel braucht man für den YSA. Ich hatte früher Tage, da habe ich das an einem Tag niedergeschrieben und ich bin mir sicher, dass ich das immer noch könnte. Doch pure Wörter machen keine Geschichte. Ich möchte dass mein erstes Buch so gut wird, wie es eben machen kann. Dafür habe ich mir jetzt ein Buch ausgeliehen. “Creative Writing” von Jesse Falzoi. Vielleicht kann mir dieses Buch eine Struktur an die Hand geben, die mir helfen wird eine Geschichte zu erzählen. Vielleicht gebe ich das Buch morgen zurück und rede nie wieder darüber. Wer weiß das schon?

Zu der Geschichte die ich für den YSA 24 schreiben möchte, gibt es schon ein erstes Kapitel. Dieses werde ich vermutlich nicht benutzten, aber es ist schön einen Ansatzpunkt zu haben. Meine Freundin Jenny hat dieses Kapitel schon hören dürfen und ich freue mich auf den Moment, wenn ich ihr endlich das komplette Ebook Mailen kann. (Wenn ich die Zeit und Muße dafür finde werde ich es hier vermutlich auch hochladen)

Der Einsende Schluss vom YSA ist im August. Das ist noch lange hin, aber ich werde die Zeit brauchen. Ich mache mir keine Illusionen darüber, dass dieser Weg ohne Rückschritte funktionieren wird, doch inzwischen habe ich das Vertrauen in mich, dass ich diese überwinden kann.

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